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Paul Mühlbauer

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Paul Mühlbauer

Der Hauptbegriff seiner Kunst ist der Mensch und das Leben selbst.  Frei, unbeschwert und selbstbestimmend zu leben ist das Ziel, das er vermitteln will.

Verspielte, manchmal schwerelose, ein wenig groteske menschliche Figuren, die comic-ähnlich dargestellt sind. Kräftige, reine Farben…Fröhlichkeit…aber nur auf den ersten Blick.

Diese schmal gezogenen, hochgeschossenen Kreaturen sind verschiedene Spiegel, die der Künstler uns vorhält, und sie geben verzerrte Bilder von uns, von  der Gesellschaft und vom Leben, das wir heutzutage führen, wieder. Unsere Existenz ist ohne Ziel und Phantasie, oder wir sind von der falschen Ideologie verführt worden, oder wir wissen nicht mehr, wie man frei liebt.

Und so tauchen wir in die nächste Schicht seiner Werke ein und finden dort unsere  wahre Realität – skurril, traurig, witzig.

Da sind Menschen im Alltag. auf der Straße, in der U-Bahn, oder es wird eine Szene aus dem TV-Programm vorgespielt.

Was stellt Mühlbauers Kunst dar?

Eine Frau geht mit einem an der Leine frei schwebenden Hai Gassi…aber der Hai ist ungeduldig und die Frau muss kämpfen, um den Hai zurückzuhalten. Ist diese Szene ein Ruf für uns alle, mit mehr Phantasie durch das Leben zu gehen?

Da ist auch die freche „Lili“, die Pipi Langstrumpf ähnelt. Das blonde Mädchen im pinken Kleid zeigt uns die Zunge und den Stinkefinger, und sie steht noch dazu vor der Volksschule in Stegersbach! „Lili hat Ferien“- so heißt die Skulptur und sie provoziert definitiv! Ist ihr Benehmen obszön und beleidigend, oder darf sie das? Das ist doch ein Kind und der Künstler ist der Überzeugung, dass die Kinder frech sein dürfen. Vielleicht ist die Kindheit der einzige  Moment unseres Lebens, in dem wir frei sind und in dem die Entmenschlichung noch nicht begonnen hat. Die Bürger der Stadt sind unterschiedlicher Meinung. Von „nicht schön“ bis „lustig“, wobei „lustig“ mit 51,89 % gewonnen hat. Das Wichtigste ist aber: Den Kindern gefällt sie!

In vielen seiner Werke bearbeitet er die Themen Liebe und Intimität. Wieder nimmt er mit Augenzwinkern menschliche Verhaltensweisen aufs Korn.Das „verklemmt sein“ und das „verschlossen und schüchtern sein“, das wir stark durch die Mimik und Körperhaltung seiner Figuren spüren, aber auch darauf schmunzelnd reagieren, versucht der Künstler mit einem kleinen „Schock“ zu bekämpfen.  Er irritiert, schockiert, vulgarisiert. Die entblößten, nackten Körper  in tollpatschigen Haltungen, mit X Beinen, erwecken bei uns Mitgefühl. Das küssende Paar, das buchstäblich ineinander sinkt, ist eine kleine Hymne zur Liebe und Erotik.

Mühlbauers erschaffene Welt besteht aus kleinen (10-35 cm) aber auch großen (bis 5 m) Bronzeskulpturen, die von Hand mit lebhaften Metallfarben koloriert sind.

Manche befinden sich in Interaktion mit Natur, andere korrespondieren mit dem Atelier-Raum.

Seine Herstellungstechnik ist sehr speziell. Für seine Modelle, aus denen dann die Negativform für den Abguss hergestellt werden, benutzt er einen Mix aus verschiedenen Materialien: Holz, Eisen, Wachs, Kunststoff. Zu diesem Mix gehören auch sogenannte „objet trouve“, ready–made“ Objekte aus dem realen Leben. Der Hai an der Leine ist ein bereits vorhandenes Spielzeug, das jetzt seinen künstlerischen, bildenden Zweck erhält.

„Wozu nachbilden, wenn es bereits vorhanden ist?“ sind des Künstlers Worte. Die Bestrebung, die Welt nicht nachzubilden, was in den Augen der Dadaisten und Surrealisten abstoßend war, sondern die neue Realität, Kunst zu kreieren, ist das Kernmotto der Moderne. Den trivialen Gegenständen eine wichtige Rolle in der Kunstwelt zu geben und sie zur Kunst zu erheben, hat seine Geschichte seit Duchamps „Rad-Fahrrad“ (1913).

Der Künstler irritiert und täuscht am Ende mit der Verwendung solcher Materialien. Die bunt-lackierten Abgüsse sehen den Originalen täuschend ähnlich. Leicht, sogar schwerelos. Erst beim Hochheben merkt man, dass es sich um Bronze handelt.

Auch die zahlreichen bildhauerischen Darstellungen unterschiedlicher Lebewesen wie z.B. Fische und Schnecken dienen dazu, zusammen mit menschlichen Kreaturen das Leben zu feiern.

Mein Kunstbegriff ist das Leben selbst und dieses für sich selbstbestimmend zu leben. Geschieht das. Ist es Kunst!“  Paul Mühlbauer

 

Tatjana Munding, Kunsthistorikerin, München

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