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Georg Vinokic

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In seinem bislang jüngsten Zyklus beschäftigt Georg Vinokic sich mit dem Heldenbegriff. Neben der Außenwirkung von HeldInnen interessiert den Maler in seinen Bildern vor allem der Blick ins Innere der Personen und das oftmals ambivalente Verhältnis zwischen Fremdbild und Selbstbild sowie zwischen Sein und Schein. Seine ProtagonistInnen sind in der Mehrheit gescheiterte HeldInnen im Sinne Voltaires, nur wenige von ihnen erscheinen im Einklang mit sich selbst und ihrer Umwelt. Dass der Maler bewusst die weibliche Form Heldinnen im Titel seines Zyklus verwendet, verweist auf seine Absicht, auch die Position der Frau in der Gesellschaft zu verorten und ihre Kompatibilität mit dem traditionell männlichen Heldenbild zu reflektieren.

Georg Vinokic portraitiert Frauenfiguren, die nach dem Gleichgewicht zwischen Selbstvertrauen und äußerer Anerkennung suchen. Motivisch sind Lorbeerblätter und –kränze erkennbar, deren Richtung den Grad der inneren Zufriedenheit und äußeren Anerkennung andeuten. Einen besonderen Stellenwert innerhalb der Frauenportraits nehmen Tänzerinnen ein, für den Maler der Inbegriff selbstbestimmter Frauen. Die für Georg Vinokic charakteristischen Zickzacklinien symbolisieren die ebenso grazilen wie kraftvollen Bewegungen, die sich durch Grenzen nicht einschränken lassen.

Die Ambivalenz der von Georg Vinokic verwendeten Motive wird deutlich, wenn die Lorbeerkränze im Kontext des ebenfalls in einigen Bildern auftauchenden Kreuzes neu semantisiert werden und sich zum Symbol der Unterdrückung Jesu Christi, dem Dornenkranz, wandeln. Jesus war für Vinokic ein Wegweiser, der mit seinen Idealen eine Richtung vorzugeben suchte und daran scheiterte. Am Ende seines Lebens sieht er Christus als Zweifelnden mit offenen Fragen, die durch die Zahl 3 in Form von drei Knöpfen oder drei Blättern symbolisiert werden. Das Vexierspiel der Motive wird komplett, wenn das Kreuz im Zusammenhang mit den Taten der Conquistadores eine neue – diesmal freilich negative – Konnotation erfährt. Im Zentrum des Kreuzes, in dessen Herzen also, stehen nun keine Fragen mehr, sondern vertrocknete, tote Blumen.

Zentral taucht eine für Georg Vinokic auch biographisch besonders bedeutsame Heldin auf: die Donau. Einst sagte der Maler, er sei ein Ureinwohner der pannonischen Tiefebene, die sechs Staaten und damit Vinokics alte und neue Heimat umfasst, und deren Landschaft maßgeblich von der Donau geprägt ist. Die tiefe Verwurzelung Vinokics in dieser geographischen Gegend lässt sich an seinen Bildern bereits seit 2005 eindrucksvoll verfolgen. Waren es in den frühen Arbeiten Fische, Boote und Netze, also kleine Details, die Vinokic in den Mittelpunkt seiner Bilder stellte – er zoomte sich also gleichsam in die Landschaften hinein – vollzieht er nun einen Perspektivenwechsel hin in die Totale. Im Fokus sind nun Donaulandschaften, die entweder alleine oder gemeinsam mit anderen HeldInnen, etwa bedingungslos Liebenden, dargestellt werden.

Die Balance zwischen innerem Anspruch und Anerkennung von außen, vorbehaltlose Liebe und innige Freundschaft, die Bereitschaft Grenzen zu überschreiten und Wege zu weisen. Das sind zentrale Werte, die für den Maler ein(e) HeldIn ausmacht. Die Bilder Georg Vinokics schöpfen ihre Kraft aus einer Kombination von expressivem Gestus und minutiös ausgearbeiteten Flächen. Das reduzierte Ensemble an Motiven variiert der Maler dabei in einem Prozess ständiger Resemantisierung und thematisiert solcherart die Ambivalenz, die dem Heldenbegriff innewohnt.

 

Axel Petri-Preis

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